{"id":139,"date":"2020-05-12T18:00:04","date_gmt":"2020-05-12T16:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/lizbloggt.com\/?p=139"},"modified":"2020-06-25T18:54:32","modified_gmt":"2020-06-25T16:54:32","slug":"ein-mord-ist-kein-drama-bennent-femizide-endlich-als-das-was-sie-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lizbloggt.com\/?p=139","title":{"rendered":"Ein Mord ist kein Drama! Benennt Femizide endlich als das, was sie sind!"},"content":{"rendered":"\n<p>Leider ist dieser Beitrag, den ich am 25.11.2019 auf einer Demonstration gegen Gewalt an Frauen gehalten habe, immer noch aktuell. <br>Erst heute wieder habe ich gelesen &#8220;Frau stirbt nach Streit&#8221; als \u00dcberschrift f\u00fcr einen Artikel, in dem beschrieben wird, dass eine Frau von ihrem Ehemann verletzt und anschlie\u00dfend in einem Teich ertr\u00e4nkt wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Femizid wird der Mord an Frauen bezeichnet, warum Femizide oft anders gelagert sind, als andere Morde, verdeutlichen folgende Zahlen:<\/p>\n\n\n\n<p>Weltweit werden 35% der Morde an Frauen durch aktuelle oder ehemalige Partner begangen, bei Morden an M\u00e4nnern liegt die Rate bei 5%. Erst seit 2011 gibt es in Deutschland die Voraussetzung zur Erfassung von Partnerschaftsgewalt bzw. daraus resultierender T\u00f6tung in der Kriminalstatistik. Und das, obwohl durchschnittlich eine Frau am Tag versucht wird von ihrem Partner oder ehemaligen Partner zu t\u00f6ten. Jeden 3. Tag eine Frau tats\u00e4chlich stirbt, in 2018 waren es 123 Frauen. Gewalt durch ehemalige Partner wird nicht gesondert erfasst.<br><br>Warum habe ich nicht von Mord, sondern von T\u00f6tung in Folge von Partnerschaftsgewalt gesprochen?! Der Bundesgerichtshof hat 2008 entschieden, dass das Mordmerkmal der niedrigen Beweggr\u00fcnde in Zweifel st\u00fcnde, wenn &#8220;die Trennung von dem Tatopfer ausgeht und der Angeklagte durch die Tat sich dessen beraubt sieht, was er eigentlich nicht verlieren will&#8221;. Dann soll kein Mord, sondern nur ein Totschlag vorliegen. Diese Entscheidung spiegelt patriarchale Gedankenmuster wider. Denn es ist eine patriarchale Besitzkonstruktion, wenn davon ausgegangen wird, dass der Angeklagte sich dessen beraubt sieht, was er eigentlich nicht verlieren will. Wenn etwas geraubt wird, muss man es zun\u00e4chst besessen\u00a0haben.<br><br>Warum erz\u00e4hle ich das? Weil es den medialen Umgang mit versuchten Femiziden und Femiziden widerspiegelt. Bei Mord an Frauen wird in der Regel von Familientrag\u00f6die oder Eifersuchtsdrama gesprochen. Wenn der T\u00e4ter deutsch ist. Nur, wenn er keinen deutschen Pass besitzt, werden W\u00f6rter wie Mord und T\u00f6tung in den Mund genommen.<br>Was ist das Problem an den Begriffen? Trag\u00f6dien und Dramen mildern die Schwere der Tat zum einen ab, gleichzeitig geben sie dem Opfer eine Mitschuld. Daher ist es l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig, dass Morde, auch und gerade durch Partner begangene, endlich als solche benannt und ge\u00e4chtet werden. Unabh\u00e4ngig von der vermeintlichen Herkunft des T\u00e4ters.<br>Es liegt in unserer Verantwortung, dass der Fokus verschoben wird. Es kann und darf nicht l\u00e4nger sein, dass Frauen \u201ehilfreiche Tipps\u201c bekommen, wie sie sich zu verhalten haben, um das Risiko Opfer von Gewalt und Mord zu werden zu minimieren. Es ist an der Zeit, dass Morde an Frauen als solche bezeichnet und ge\u00e4chtet werden, gesellschaftlich und medial<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leider ist dieser Beitrag, den ich am 25.11.2019 auf einer Demonstration gegen Gewalt an Frauen gehalten habe, immer noch aktuell. Erst heute wieder habe ich gelesen &#8220;Frau stirbt nach Streit&#8221; als \u00dcberschrift f\u00fcr einen Artikel, in dem beschrieben wird, dass eine Frau von ihrem Ehemann verletzt und anschlie\u00dfend in einem Teich ertr\u00e4nkt wurde. 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