{"id":214,"date":"2021-02-12T18:00:22","date_gmt":"2021-02-12T17:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/lizbloggt.com\/?p=214"},"modified":"2021-02-12T10:23:58","modified_gmt":"2021-02-12T09:23:58","slug":"redebeitrag-zum-08-03-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lizbloggt.com\/?p=214","title":{"rendered":"Redebeitrag zum 08.03.2020"},"content":{"rendered":"\n<p>Bald ist wieder der 08.03., feministischer Kampftag. Dieser Blog ist aus der Stimmung, die ich nach dem letzten feministischen Kampftag hatte, entstanden.<br><br>In diesem Beitrag m\u00f6chte ich mich mit k\u00f6rperlicher Selbstbestimmung auseinandersetzen, der erste Teil bezieht sich auf die Selbstbestimmung in Bezug auf Reproduktionsrechte, der zweite Teil auf Selbstbestimmung im sexuellen Kontext von Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwangerschaftsabbr\u00fcche<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Text habe ich bereits am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen auf der Demonstration verlesen, da sich nichts ge\u00e4ndert hat und er nach wie vor aktuell ist, ist er hier noch ein Mal:<\/p>\n\n\n\n<p>Nach wie vor ist der Zugang zu der Information, welche \u00c4rzt*innen Schwangerschaftsabbr\u00fcche vornehmen eingeschr\u00e4nkt, es muss ein Beratungsgespr\u00e4ch stattfinden, wobei nicht alle Beratungseinrichtungen ergebnisoffen beraten bzw. die ben\u00f6tigte Bescheinigung ausstellen.<br>Nach wie vor rufen sogenannte Lebenssch\u00fctzer*innen zu Blockaden von Beratungsstellen auf.<br>Nach wie vor ist der Abbruch einer Schwangerschaft eine Straftat, die unter gewissen Umst\u00e4nden nicht verfolgt wird. Und nach wie vor werden Schwangerschaftsabbr\u00fcche im Medizinstudium wenn nur auf rechtlicher und ethischer Ebene thematisiert, praktische \u00dcbungen an Papayas, die sich hierf\u00fcr besonders eignen, werden von Studierenden selbst organisiert.<br>Es ist an der Zeit, dass Frauen selbst entscheiden k\u00f6nnen m\u00fcssen, ob sie eine Schwangerschaft abbrechen m\u00f6chten oder nicht, ohne Verurteilung dieser sehr privaten Entscheidung und mit uneingeschr\u00e4nktem Zugang zu Informationen dar\u00fcber und das bei entsprechend gut ausgebildeten Mediziner*innen.<br>Information ist keine Werbung, sondern unser Recht!<\/p>\n\n\n\n<p>Sterilisation.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Punkt ist der enorm schwierige Zugang zur Sterilisation f\u00fcr Frauen. W\u00e4hrend f\u00fcr Sterilisation beim Mann regelrecht Werbung gemacht wird, haben Frauen es sehr schwer, Mediziner*innen zu finden, die bereit sind, diesen Eingriff durchzuf\u00fchren.<br>Immer wieder ist, gerade bei Frauen unter 30 das Argument, dass sich der Kinderwunsch bestimmt noch einstellen wird und es ja genug andere Verh\u00fctungsmethoden bis dahin g\u00e4be, die nicht endg\u00fcltig sind, nach wie vor wird Frauen sehr h\u00e4ufig ein Bruttrieb unterstellt, Mutterwerden ist die Norm.<br>Hinzu kommt, dass oft darauf hingewiesen, dass der Partner sich ja einer Sterilisation unterziehen k\u00f6nne. Dies impliziert aber, dass es nur einen festen und langj\u00e4hrigen Sexualpartner gibt, andere M\u00f6glichkeiten werden nicht zugelassen. Um die Lebensrealit\u00e4t von Menschen mit Geb\u00e4rmutter, die sich sterilisieren lassen wollen deutlich zu machen, habe ich in einer Gruppe die sich mit dem Thema besch\u00e4ftigt, nach Erfahrungsberichten gefragt.<br><br>Ich: von 27-33 \u00fcber sechs Jahre diverse \u00c4rzte aufgesucht, endlich einen gefunden, der mir die \u00dcberweisung in die Klinik ausgestellt hat, dann in der Klinik die diensthabende \u00c4rztin \u00fcberzeugt nach viel Diskussion und am Oberarzt gescheitert.<br>Zwischenzeitlich h\u00e4tte einen Termin in Wien bei prowoman.at wahrnehmen k\u00f6nnen, ging aber mit der Arbeit zeitlich nicht zu vereinbaren. (In \u00d6sterreich hat jede Frau ab 25. Das Recht zu entscheiden.)<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Ich habe es seit ich 29 bin bei drei verschiedenen Frauen\u00e4rzten versucht. Habe zu h\u00f6ren bekommen, dass ich zu jung, sei, dass zu viele Frauen den Eingriff bereuen und er das rechtlich nicht vertreten k\u00f6nne. Sp\u00e4ter habe ich nachgelesen, dass die Rate der Frauen, die sich kinderlos sterilisieren lassen und dies bereuen in Wirklichkeit sehr gering ist. Auf jeden Fall gering genug, dass ich das Risiko eingehen w\u00fcrde. Zumal ich sicher bin, keine Kinder zu wollen. Ich habe mir in meinem Leben viele Dinge ausgemalt, was in meiner Zukunft sein wird, aber dass ich Mutter bin war nie dabei. Auch heute noch ist mein erstes Gef\u00fchl, wenn mir jemand erz\u00e4hlt, dass sie schwanger ist, Entsetzen, weil dies mein Gef\u00fchl w\u00e4re. Mittlerweile sind ein paar Jahre vergangen und ich hoffe, dass ich jemanden finde, der nicht der Meinung ist, ich sei zu jung f\u00fcr so eine Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n<p>Melanie, 30, hat nun das OK sich sterilisieren lassen, nachdem sie Brustkrebs hatte und dadurch ihr eigenen Leben durch eine Schwangerschaft gef\u00e4hrdet w\u00e4re.<br>Man muss also scheinbar todkrank sein, damit man diese M\u00f6glichkeit bekommt, ohne zig \u00c4rzte aufsuchen zu m\u00fcssen, von denen dir 95% sagen, dass du doch nur den richtigen Partner brauchst oder deine biologische Uhr auch noch ticken wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Janine, 27 kinderlos und schon immer ohne Kinderwunsch gewesen. Zus\u00e4tzlich mit 19 an hochaktiver Multiplen Sklerose erkrankt und zuletzt aufgrund der hohen Schubrate mit Chemotherapeutika behandelt worden. Eine Schwangerschaft k\u00f6nnte ein schwerst behindertes Kind bedeuten oder ich selbst werde danach noch kr\u00e4nker; im schlimmsten Falle pflegebed\u00fcrftig. Laut \u00c4rzten (alter Neurologe sowie Gyn\u00e4kologe) sei das doch absolut kein Grund keinen Kinderwunsch zu haben!<\/p>\n\n\n\n<p>Kira, fast 29, kinderlos und ohne Kinderwunsch, wei\u00df seit der Pubert\u00e4t, dass sie keine Kinder m\u00f6chte. Seit 11 Jahren sucht sie nach einem verst\u00e4ndnisvollem Arzt und war hierf\u00fcr in vielen verschiedenen St\u00e4dten und bei unz\u00e4hligen \u00c4rzten. Die respektloseste Aussage einer \u00c4rztin bekam sie k\u00fcrzlich: \u201edann gehen Sie halt nach Tschechien und lassen das unsteril bei einem Hinterhof Metzger machen, ein guter Deutscher Arzt macht das nie bei Ihnen, wenn Sie keine Kinder haben! Sie \u00e4ndern Ihre Meinung sowieso und bereuen es!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Julia, 28J. erkundigte sich telefonisch bei einer Klinik und bekam die Antwort &#8220;wir sind eine katholische Einrichtung und unterst\u00fctzen solche Schandtaten nicht.&#8221; Die Dame schnaufte und legt einfach auf, ohne sich zu verabschieden. In dem Moment f\u00fchlte ich mich wie ein unmenschliches falsches Lebewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Melanie, 26, gl\u00fccklich kinderfrei : durch diverse genetische dispositionen sind hormonelle Verh\u00fctungsmittel nicht die beste idee. Selbst bei 3 \u00c4rzten angefragt, immer bel\u00e4chelt worden und beim letzten GYN hie\u00df es: &#8220;WIR operieren sowieso garnicht, aber&nbsp;in ihrem alter w\u00e4re es unverantwortlich Sie zu sterlisieren. M\u00f6chten Sie nicht doch die Pille?&#8221;<br>Daraufhin habe ich ich eine Freundin gebeten bei ihrem GYN mal abzuklopfen wie er eingestellt ist. Er sage Ihr, dass es illegal sei eine Frau in DE zu sterilisieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier zeigt sich, dass das Recht der Selbstbestimmung \u00fcber ihren K\u00f6rper und daraus resultierende Reproduktionsm\u00f6glichkeiten der Frau h\u00e4ufig nicht durch sie selbst wahrgenommen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Recht auf sexuelle Selbstbestimmung<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wunsch, dieses Thema anzusprechen kam mir nach dem Gespr\u00e4ch mit einer Freundin. Ich habe ihr erz\u00e4hlt, dass ich schon Menschen aus meinem Bett geworfen und nach Hause geschickt habe, weil ich keinen Spa\u00df hatte, sie fand das krass. Es hat mich total besch\u00e4ftigt, weil ich es nicht krass fand bzw. finde. Ich finde es krass, seinen K\u00f6rper f\u00fcr einen anderen Menschen zur Verf\u00fcgung zu stellen, obwohl es einer selbst in dem Moment nicht gut tut\/gef\u00e4llt.<br><br>Deswegen ist es mir ein sehr gro\u00dfes Anliegen, euch daran zu erinnern, dass nur ein Mensch das Recht hat zu bestimmen, was mit eurem K\u00f6rper passiert und das seid ihr selbst! Ihr seid NIEMALS dazu verpflichtet, es anderen Recht zu machen. Nat\u00fcrlich \u201ezerst\u00f6rt\u201c so eine Aussage die Situation, in meinen Augen ist die Situation aber schon in dem Moment zerst\u00f6rt, in dem ihr euch nicht wohlf\u00fchlt. Und dabei ist es v\u00f6llig gleichg\u00fcltig, wer euer Gegen\u00fcber ist, ob ONS oder Beziehung, v\u00f6llig egal.<br><br>Nur, weil ihr eurem Gegen\u00fcber irgendwann Mal eine Zustimmung gegeben habt, ist das keine Dauerkarte! Und auch wenn ihr anfangs eine Zustimmung gegeben habt, habt ihr jederzeit das Recht, diese zu wiederrufen, wenn ihr merkt, dass ihr keine Lust mehr habt, egal was der Grund ist. Es ist nicht eure fucking Aufgabe, die Erwartungshaltung anderer Menschen zu erf\u00fcllen. Eure K\u00f6rper sind nicht dazu da, anderen Menschen au\u00dfer euch selbst, Lust zu bereiten! NIEMALS.<br><br>Redet offen \u00fcber Eure Bed\u00fcrfnisse, \u00fcber No-Gos, \u00fcber Dinge die euch Angst machen. Ich meine ernsthaft, was soll die Scham? Ihr liegt nackt mit mindestens einem anderen Menschen im Bett (oder woanders), ber\u00fchrt euch an euren intimsten Stellen aber habt Scheu, zu \u00e4u\u00dfern, was Euch gerade Spa\u00df machen w\u00fcrde oder was Euch gerade keinen Spa\u00df macht? Schlechter, als dass ihr gerade keinen Spa\u00df habt kann die Situation doch gar nicht mehr werden, oder?!<br><br>Ihr bestimmt eure Sexualit\u00e4t, ihr allein habt das Recht dazu, zu entscheiden, was ihr wollt. Und dazu z\u00e4hlt f\u00fcr mich auch, dass ihr entscheidet, ob ihr Sex haben m\u00f6chtet oder nicht. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Macht euch das bitte bewusst. Ihr m\u00fcsst nichts aushalten. Ihr m\u00fcsst nicht ruhig, nicht lieb, nicht nett sein. Eure Aufgabe ist es, auf Eure Bed\u00fcrfnisse zu achten, f\u00fcr sie einzutreten und solidarisch mit anderen zu sein, die das nicht k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bald ist wieder der 08.03., feministischer Kampftag. Dieser Blog ist aus der Stimmung, die ich nach dem letzten feministischen Kampftag hatte, entstanden. In diesem Beitrag m\u00f6chte ich mich mit k\u00f6rperlicher Selbstbestimmung auseinandersetzen, der erste Teil bezieht sich auf die Selbstbestimmung in Bezug auf Reproduktionsrechte, der zweite Teil auf Selbstbestimmung im sexuellen Kontext von Frauen. 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