{"id":218,"date":"2021-03-12T18:00:00","date_gmt":"2021-03-12T17:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lizbloggt.com\/?p=218"},"modified":"2021-03-12T12:54:10","modified_gmt":"2021-03-12T11:54:10","slug":"sexarbeit-ist-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lizbloggt.com\/?p=218","title":{"rendered":"Sexarbeit ist Arbeit!"},"content":{"rendered":"\n<p>Hier mein Redebeitrag zum feministischen Kampftag 2021 in Wiesbaden. <\/p>\n\n\n\n<p>Sexarbeit ist Arbeit!<\/p>\n\n\n\n<p>Generell:<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist Sexwork? Sexwork und Prostitution werden oft als identisch angesehen. Dabei ist Prostitution ein Teil von Sexwork. Zu Sexwork z\u00e4hlen auch alle anderen Arten sexueller Dienstleistungen, z.B. Pornos, Webcamangebote etc.<br><br>Warum Sexwork? Sexwork ist ein Begriff, den Sexworker*innen selbst gepr\u00e4gt und etabliert haben. Hinter der Bezeichnung steckt der Gedanke, Sexarbeit endlich als Arbeit anzuerkennen. Gleichzeitig soll eine klarere sprachliche Abgrenzung zur Zwangsprostitution gezogen werden, die immer noch und immer wieder in einem Atemzug mit Prostitution erw\u00e4hnt wird. Dass Zwangsprostitution und Menschenhandel unter allen Umst\u00e4nden verboten werden m\u00fcssen, steht au\u00dfer Frage. Gesetze dazu gibt es aber bereits zu gen\u00fcge, sie m\u00fcssten nur angewendet werden. <br><br>In diesem Redebeitrag geht es aber um Sexarbeit.<br><br>Bis heute hat Sexwork auf vielen Ebenen keine Gleichstellung mit anderen Arbeiten. Bis heute werden Sexarbeitende gesellschaftlich, politisch und rechtlich stigmatisiert, ausgegrenzt und entm\u00fcndigt. Sexarbeiter*innen m\u00fcssen immer wieder betonen, dass sie ihrer Arbeit besonders gerne nachgehen, losgel\u00f6st von gesellschaftlichen Zw\u00e4ngen etc.. <br>Aber ist die Entscheidung f\u00fcr sich selbst nicht Grund und Rechtfertigung genug? Muss nicht die Tatsache, dass diese Arbeit in Anbetracht der Lebensumst\u00e4nde der jeweiligen Person die beste Alternative ist, v\u00f6llig ausreichen? <br>Kein anderer Berufszweig muss sich auf individueller Ebene immer und immer wieder rechtfertigen, um dann doch nicht als entscheidungsf\u00e4hig gesehen zu werden. Wer hatte noch nicht den Gedanken, unter anderen Umst\u00e4nden einen anderen Beruf gew\u00e4hlt zu haben? Dieser Gedanke wird Sexarbeitenden abgesprochen bzw. gegen sie und ihre Arbeit verwendet. Und genau diese Haltung gegen\u00fcber Sexwork sorgt f\u00fcr eine Diskriminierung, f\u00fcr eine mitleidige Haltung, aber nie f\u00fcr den Gedanken oder M\u00f6glichkeit, dass Menschen sich bewusst f\u00fcr diese Arbeit entschieden haben. \u00a0<br>Wenn wir fordern \u201eMy body-my choice\u201c d\u00fcrfen wir anderen diese Entscheidungsm\u00f6glichkeit nicht absprechen, auch wenn wir pers\u00f6nlich diesen Weg nicht gehen m\u00f6chten. Dann d\u00fcrfen wir nicht Menschen ausgrenzen, weil sie ihr Leben anders f\u00fchren, als es die eigene Vorstellung ist. Denn DANN bedienen wir uns den gleichen ausgrenzenden, zerm\u00fcrbenden und gef\u00e4hrlichen Mechanismen, gegen die wir uns stellen, wenn wir f\u00fcr das Recht auf Selbstbestimmung und gegen das Patriachat k\u00e4mpfen.<br><br>Deutschland hat 2017 das sogenannte &#8220;Prostitutionsschutzgesetz&#8221; verabschiedet. Was hei\u00dft das konkret?<br>Das bedeutet konkret, dass Sexworker*innen mit Kund*innenkontakt sich bei mehreren offiziellen Stellen, zus\u00e4tzlich zum Finanzamt, anmelden m\u00fcssen, um eine Genehmigung f\u00fcr ihre T\u00e4tigtkeit zu erhalten. Dieser von Sexarbeitenden als Hurenpass bezeichnete Ausweis mit Lichtbild und Namen muss w\u00e4hrend der Arbeit jederzeit mitgef\u00fchrt werden.<br>Zus\u00e4tzlich muss eine regelm\u00e4\u00dfige verpflichtende Gesundheitsberatung durchgef\u00fchrt werden. Bei dieser wird neben gesundheitlicher Aufkl\u00e4rung auch versucht, zu ermitteln, ob es sich um Zwangsprostitution handelt. Das Absurde: Durch die Schweigepflicht darf auch bei gesicherter vorliegender Zwangsprostitution keine Beh\u00f6rde informiert werden, solange die betroffene Person dem nicht zustimmt.<br>R\u00e4ume, in denen Prostitution nachgegangen wird, m\u00fcssen JEDERZEIT der Polizei zug\u00e4nglich gemacht werden, also auch Privatwohnungen. In der Realit\u00e4t f\u00fchrt das Prostitutionsschutzgesetz&#8221; also dazu, dass Sexarbeitende mit Namen und Bild bei mehreren Stellen gemeldet sind, welcher andere Beruf erfordert das? Sexarbeitende k\u00f6nnen ihr Zuhause nicht mehr als sicheren Raum begreifen.<br>Das \u201eSchutzgesetz\u201c sch\u00fctzt nicht, sondern dr\u00e4ngt Sexarbeitende, die aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden nicht ihre Daten an diversee Stellen weitergeben wollen, in die Illegalit\u00e4t und erh\u00f6ht damit die Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden. <br>Gibt es Alternativen?<br>Das vielfach beworbene und als L\u00f6sung proklamierte nordische Modell: Freier und Zuh\u00e4lter illegalisieren. Die Realit\u00e4t: Vermieter*innen, Partner*innen, kurz alle, die von der Sexarbeit wissen, werden kriminalisiert. Dies erh\u00f6ht den Druck auf die Sexarbeitenden massiv, ohne sie auch nur ansatzweise zu sch\u00fctzen.<br><br>Corona: Versch\u00e4rft die Situation, viele Sexarbeitende sind noch nicht lange genug in DE, um Gelder beantragen zu k\u00f6nnen, oder aus o.g. Gr\u00fcnden nicht offiziell als Sexworker*innen gemeldet. Ihnen stehen keine Gelder zu, sie m\u00fcssen also trotz Verbot weiterarbeiten um ihre Existenz sichern zu k\u00f6nnen.<br><br>\u201eDas Problem sind die Freier\u201c <br>Nein! Das Problem ist die Gesellschaft, die immer wieder stigmatisiert, ausgrenzt, bevormundet. Das Problem ist das Doppelleben, zu dem diese Ausgrenzung f\u00fchrt. Das Problem sind Personen, die private bzw. nicht als Bordell erkennbare Arbeitsstellen \u00f6ffentlich als solche beziffern. Es hat seinen Grund, warum Menschen nicht in Bordellen arbeiten. <br><br>H\u00f6rt auf damit! H\u00f6rt Sexarbeitenden zu, nehmt ihre Forderungen ernst und unterst\u00fctzt sie in diesen! Sie sind die Profis in Bezug auf Ihre Probleme und Bed\u00fcrfnisse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier mein Redebeitrag zum feministischen Kampftag 2021 in Wiesbaden. Sexarbeit ist Arbeit! Generell: Was ist Sexwork? Sexwork und Prostitution werden oft als identisch angesehen. Dabei ist Prostitution ein Teil von Sexwork. 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